©Mirjam Arck

Ein Maulkorb schützt andere, den Hund selber und ermöglicht mehr Freiraum

Maulkorb ist oft noch ein heikles Thema, wofür ich mit diesem Beitrag einmal die Lanze brechen möchte.

Mein Rüde Milow trägt zeitweise Maulkorb und zwar ganz einfach aus dem Grund, dass ich mich dann sicherer fühle. Somit bin ich ruhiger bei Hundebegegnung und diese Ruhe überträgt sich dann auch auf Milow. So kann ich die Situation relativ entspannt beobachten und ggf. an passender Stelle eingreifen. Ich weiß von Milow, und von den meisten Rüden, dass es bei Rüden zwar oft laut ist, aber meistens außer ein paar Kratzern oder kleinen Verletzungen nicht viel passiert. Bei Hündinnen unter sich sieht dies oft anders aus. Wenn sich Hündinnen einmal richtig „in der Wolle“ haben, sollte man wissen, wie man dann eingreifen kann.

Kleine Anmerkung am Rande: Milow ist mit Maulkorb inzwischen öfter gebissen worden, als ohne und hat die kleinen Bisswunden alle gut ohne Tierarzt überstanden (Fell an der Wunde wegschneiden, Wunde desinfizieren und beobachten und dann heilt das Ganze wunderbar).

Leider leinen viele Besitzer beim Anblick eines Hundes mit Maulkorb panisch ihre Hunde an. Ich bin ehrlich, ich habe anfangs ähnlich reagiert. Da man ja oft noch im Hinterkopf die gefährlichen Hunde hat, die vom Ordnungsamt zwangsweise Maulkorb tragen müssen, weil sie tatsächlich gefährlich sind.

Aber eines steht fest, ein Hund der einen Maulkorb trägt, kann in der Regel nicht mehr beißen, im Gegensatz zu den vielen anderen Hunden ohne Maulkorb.

Aber nicht nur bei Artgenossenproblemen (egal ob Angst oder Aggression), sondern auch gerade beim aktuellen Thema Giftköder kann ein Maulkorb hilfreich sein.

Jedenfalls kann es überhaupt nicht schaden, wenn jeder Hund an einen Maulkorb gewöhnt ist. Z.B. wenn ein Hund eine starke Verletzung hat, wird in der Regel eine Maulschlaufe aus Verbandsmaterial angelegt oder beim Tierarzt ein Maulkorb angelegt. Wenn der Hund in dieser Not- und Paniksituation dann auch noch mit mehreren Personen festgehalten werden muss, um den Maulkorb anzuziehen, den er bis dato nicht kennt, wird es noch mehr Stress.

Ich kann meinem Hund also einen Gefallen tun und ihn auf z.B. diesen Moment vorbereiten, aber es kann eben auch mal sein, dass er aus anderen Gründen einen Maulkorb tragen muss.

Eine weitere Möglichkeit, die ich gelegentlich auch nutze ist, wenn meine Hunde Verletzungen haben und einen Verband tragen, dann ziehe ich ihnen den Maulkorb an, damit sie nicht an den Verband gehen. Sind sie den Maulkorb gewöhnt und passt dieser, ist es allemal angenehmer, als so ein hübscher Lampenschirm.

Die Auswahl des Maulkorbs: wichtig ist, dass der Maulkorb ausreichend groß ist, dass der Hund hecheln kann, er nirgendswo scheuert, besonders nicht an der Nase und dass die Öffnungen nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sind.

Weiterhin kommt es drauf an, was ich mit dem Maulkorb verhindern möchte. Habe ich einen Hund der wirklich in Verletzungs- oder Tötungsabsicht beißt, sollte man sich für einen Drahtmaulkorb entscheiden. Hat man einen Hund, der lediglich schnappt oder nur von Giftködern abgehalten werden soll, empfiehlt sich ein Plastikmaulkorb.

Rechts und links neben der Schnauze sollte der Maulkorb anliegen bzw. nur wenig Platz lassen. Dann sollte er auf der Nase aufliegen mit ausreichend Abstand zur Nase und nach unten, also unterm Fang darf er so viel Platz haben, dass der Hund am besten Gähnen kann. Nach vorne darf auch gerne etwas mehr Platz sein, dann ist es für den Hund angenehmer.

Für den Dalmatiner kann ich den Windhundemaulkorb Modell „Lassie“ (www.sofahund.at) oder „don pare 101“ (amazon) oder bei (www.chick-und-scharf.de) , alles das gleiche Modell, aber unterschiedliche Farben und Preise, empfehlen.

Das Modell ist Einheitsgröße und passt sehr vielen Hunden, vor allem weil es recht flexibel ist.

Möchte man verhindern, dass der Hund etwas damit aufnimmt (Giftköder, Futter, Kot etc.) empfiehlt es sich z.B. mit Fliegennetz außen um den Maulkorb herum diesen nochmals abzusichern. Der empfohlene Maulkorb ist zwar unten zu, aber viele Hunde haben schnell raus, wie man dort das Fressen reinschiebt.

gallery/maulkorb spiel

Toben mit Artgenossen ist mit Maulkorb kein Problem - hiier ermöglicht der Maulkorb soziale Interaktion ohne Gefahr

gallery/maulkorb - hunde mit mk kann sich nicht komplett wehren

Maulkorbgewöhnung

Damit der Hund den Maulkorb zumindest akzeptiert und sich nicht dauernd am Menschen oder sonstigen Gegenständen versucht den Maulkorb abzuschubbern, sollte man ihm die Gelegenheit geben, sich an den Maulkorb zu gewöhnen. Für das Maulkorbtraining sollte man mehrere Tage, am Besten so 2-3 Wochen einplanen. Lieber mehrmals täglich kleine Übungseinheiten, als 1 Stunde am Stück.

Am einfachsten geht das mit Hundeleberwurst aus der Tube. Von innen vorne in den Maulkorb schmieren (der Hund darf sehr gerne zugucken, aber wegen Futterneid bitte immer nur mit einem Hund trainieren ;-) ). Dann dem Hund den Maulkorb hinhalten, er darf (!) seine Schnauze dann in den Maulkorb stecken und die Leberwurst rausschlecken (man kann das auch mit einem Kommando verbinden („anziehen“). Auf keinen Fall jetzt schon den Maulkorb zu machen. Der Hund entscheidet selbst, wie lang er die Schnauze im Maulkorb lässt und wann er wieder rausgeht. Hat man das ein paar Mal gemacht, muss der Hund erst die Schnauze in den Maulkorb machen und dann gibt es durch den Maulkorb aus der Tube Leberwurst. Den Moment zögert man dann immer ein bisschen mehr raus. Klappt das eine gewisse Zeit, kann man die Riemen hinter den Ohren mal kurz zuhalten und direkt wieder aufmachen. Klappt auch das, kann man den Maulkorb kurz schließen und wieder öffnen.

Diese Zeiten verlängert man, bis der Hund den Maulkorb ruhig für eine halbe Minute anlässt.
Dann fängt man in der Wohnung an den Hund sich mit dem geschlossenen Maulkorb bewegen zu lassen, also z.B. Sitz oder Platz oder läuft mit ihm durch die Wohnung. Jedes Kratzen mit den Pfoten und Schubbern mit einem deutlichen „Nein!“ unterbinden (Vorausgesetzt, der Hund kennt NEIN!). Lässt der Hund den Hund mehrere Minuten ohne Probleme an folgt der letzte Schritt der Maulkorbgewöhnung.

Dann geht man am besten eine Runde auf die Hundewiese und zieht dem Hund dort den Maulkorb an. Denn in der Bewegung ist dieses Ding auf der Nase nochmal etwas anderes. Ist man aber durch Hundekumpels abgelenkt, vergisst man das Teil schnell.

Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Beitrag zum Thema Maulkorb ein wenig desensibilisiert habe. Man kann ja bei der nächsten Begegnung mit einem Maulkorb tragenden Hund auch einfach mal freundlich fragen, warum der Hund den trägt ;-)

Und vielleicht würde die eine oder andere Wanderung auch etwas entspannter ablaufen, wenn einfach alle unkastrierten Rüden einen Maulkorb tragen würden, dann müsste man auch nicht alles im kleinsten Ansatz unterbrechen. Ich weiß nur für Milow, dass Knurren bei Milow einfach heißt „ich fühle mich gerade nicht wohl“, aber so lange er rumgrummelt ist es ok. Und ich kann sagen, Milow hat bisher keinen Hund auf einer Wanderung verletzt, weil ich meinen Hund unter Kontrolle habe und mir und ihm Sicherheit geben (durch den Maulkorb).

Maulkorb tragen tut dem Hund nicht weh und wenn er dran gewöhnt ist, ist es kein Problem. Ich war überrascht, wie ich meine Hundetrainerausbildung angefangen habe, wie viele Hunde dort einen Maulkorb tragen. Aber die meisten einfach aus dem Grund, dass Vorsicht besser ist, als Nachsicht ;-)

 

Anmerkung zu raufenden Hunden:

Wie man sich raufende Hunde trennen kann, dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei den Meisten Hunden reicht ein sehr deutliches und bestimmtes „Schluss jetzt!“. Als Regel gilt grundsätzlich: NICHT mit den Händen dazwischen. Wenn man was zum Werfen hat, was Krach macht (z.B. Gießkanne), kann es auch helfen, damit einmal laut Krach zu machen. Die Schrecksekunde sollte man dann nutzen, um die Hunde abzurufen oder sich sicher zu packen (BEIDE Besitzer/Hundeführer). Unbedingt mit dem anderen Hundeführer absprechen. Am sichersten lernt man so etwas aber auch einem Seminar in gesichertem Rahmen.

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Beispielfoto für die Passform: Seiten relativ eng, Augen frei, nach vorne und unten ausreichend Platz

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Beispiel für einen Drahtmaulkorb

Achtung: Mit Maulkorb kann sich der Hund nur noch eingeschränkt wehren. Deshalb muss hier der Halter ggf. eingreifen.